Sexualität - Gedanken zerstören, wo sie nicht hingehören

Wichtig der Unterschied zwischen einer natürlichen Polarität in Form von weiblicher Eizelle und männlichem Samen als Sexualität und der persönlichen Befriedigung als Sex.

Unter dem Eindruck einer unvollständig verstandenen Psychoanalyse hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Trieblehre von Sigmund Freud ein Machbarkeitspostulat entwickelt, welches heute als Grundlagenirrtum des Lebensgefühls der gesamten westlichen Industriewelt erfasst werden kann.

Die 1938 von Freud mit seiner Arbeit "Abriss der Psychoanalyse" ein Jahr vor seinem Ableben im Londoner Exil erstellte Zusammenfassung bricht im neunten Kapitel über die psychische Innenwelt unfertig ab ohne Hinweise auf eine geplante Fortsetzung. Während Freud an sich richtig die drei erst später entdeckten Hirnteile beziehungsweise Denkstufen vorausgeahnt hat, ist zeitbedingt im aufgeklärten Materialismus ein mechanischer Idealmensch der Psychologie entstanden.

Die Norm wurde definiert aufgrund der Abweichung von als krank eingestufter Psychose und Neurose, was aber erst zur Erkenntnis führen kann, dass im Reich der Blinden der Einäugige König ist. Es ist vergleichsweise gleichermassen falsch, ob der Mensch nun als göttliche oder als psychologische Drittperson betrachtet wird.

In der Folge hat sich aus Freud's Sexualtheorie ein zweigeteiltes Verständnis genitaler und sexueller Vorgänge in der Praxis entwickelt, das ein verzerrtes Bild vom Menschen ergibt, der Psychomaterialismus. Wenn durch den Zugang zur gedanklichen Ebene tatsächlich ein kleines Stück absoluter Freiheit verfügbar wird, so ist absehbar, welche Folgen zwangsläufig resultieren müssen, wenn damit gegen ein genetisches Programm der in uns vererbten biologischen Ebene gehandelt wird.

Die angeborenen lebenserhal­tenden Funktionen wie Körpertemperatur, Herzschlag, Atmung und so weiter können nicht direkt beeinflusst werden. So kann man etwa bewusst den Atem nur so lange anhalten, bis man einfach wieder einatmen muss. Wesentlich mehr Möglichkeiten bestehen bei Trinken, Schlafen, Essen, Sexualität und generell Verhalten im weitesten Sinn. Diese Eigenschaften sind alle auch genetisch vorgezeichnet und stehen in einem kausalen Zusammenhang mit dem Leben und Sterben eines Menschen in Bezug auf seine persönliche Lebensführung.

Ich warne ausdrücklich davor, zu meinen, man könne längerfristig gegen die Vorgaben einer der Dimensionen handeln. Darum ganz banal: Der Mensch ist in erster Linie ein biologisches Lebewesen aus Fleisch und Blut, welches im Extremfall ohne jedes sich von etwas bewusst zu sein vegetieren kann, nicht aber ohne korrekte Bezüge in der physikalisch-biologischen Ebene. Das bedeutet umgekehrt: Die ursprünglichen und genetisch in uns bestimmenden Funktionen dürfen auf gar keinen Fall vergeistigt werden.

Naturgemäss ist für die ganze Gattung die Arterhaltung durch Fortpflanzung und Aufzucht der wichtigste biologische Aspekt, während es für die Person lediglich die Selbsterhaltung ist. Die Sexualität ist also eine biologische Funktion der Menschheit und kein Lustprinzip von Einzelpersonen.

Grundsätzlich muss man sich bewusst sein, dass Geschlecht und Orgasmus einzig und allein zur Fortpflanzung entstanden sind und der Mensch sich von diesem biologischen System einerseits nicht lösen kann und andererseits aber auch nicht mehr unbewusst davon beherrscht wird. Die nicht der Zeugung von Nachkommen dienende Sexualität bedarf also zwingend der Erfassung auf denkender Ebene und darum bereitet die vergeistigte Sexualität im weitesten Sinne auch seit jeher die bekannten zentralen Probleme aller menschlicher Kultur.

Zudem ist es einigermassen aufwendig, diese Zusammenhänge durch die Nebel aus Hoffnung und Lust überhaupt zu erkennen und herauszufiltern. So beginnt beispielsweise die Aufarbeitung dessen, wovon man nicht sprechen darf, bereits bei der Entstehung des Inzesttabus sowie der noch älteren Dominanz der Männer über Frauen. Interessanterweise haben beide dieser grundlegenden Funktionen einen sowohl genetischen wie auch kulturellen Hintergrund, also je nach Sichtweise unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Biologisch gesehen birgt die Inzucht nur für die betroffene Gruppe oder Familie die Gefahr einer Degeneration, dagegen bedeutet es für die gemischte grössere Gemeinschaft, dass die rezessiven genetischen Strukturen einer Gruppe unter allen Umständen zum Vorschein kommen und sich nicht unbemerkt weiter verbreiten können. Völkerschaften, die sich aus religiösen Gründen über längere Zeit inzestös verhalten haben, indem beispielsweise nur Angehörige gleicher ursprünglicher Abstammung reproduzieren durften, waren funktionell gesehen kurzfristig hochgezüchtet gesünder und effizienter, verloren aber das Instrument der natürlichen Selektion durch möglichst unbeschränkte Vielfalt, was langfristig wiederum zur Degeneration führte.

Inzucht findet meist nur während kurzer Zeit statt, weil die Möglichkeiten inzestöser Begegnung von Natur aus durchwegs drastisch reduziert sind. Inzucht entsteht am ehesten dort, wo männliche und weibliche Tiere mit ihrem geschlechtsreifen Nachwuchs längere Zeit zusammen leben, was beispielsweise bei den Schimpansen, den uns am nächsten verwandten Menschenaffen, zu einem häufigen Vater-Tochter-Inzest führt, während der Mutter-Sohn oder der Geschwisterinzest nur höchst selten registriert werden kann.

Beim Menschen hatte das Inzesttabu aber auch noch einen wichtigen sozialen Aspekt. Wenn nämlich in der eigenen Familie reproduziert wurde, fehlten die Schwiegersöhne und Schwager. Die Absicherung von sozialen Strukturen war vermutlich der gewichtigere, auf die Arbeitsteilung zurückzuführende Grund für die Entstehung des Inzesttabus, der mit dem Übergang zum sesshaften Ackerbau äusserst wichtig wurde.

Heute gibt es in der bestehenden Durchmischung der Völker allerdings keinen feststellbaren Grund mehr, warum blutsverwandte Menschen keine Nachkommen zeugen sollten. Aus einer historisch-genetischen Betrachtungsweise wäre dies sogar empfehlenswert, damit rezessive Gene erkennbar werden und sich nicht weiter reproduzieren. In den Gesellschaftsformen, wie wir sie kennen, ist es nicht mehr möglich, dass ganze Gruppen von Menschen durch Inzucht degenerieren könnten. Hingegen sind Schädigungen durch Reproduzieren defekter Gene bereits erkennbar weit fortgeschritten, die Berücksichtigung dieser Tatsache bei Planung der Fortpflanzung in einer gedanklich bewussten Liebe ist folgerichtig Bedingung und muss eine zunehmende Bedeutung erlangen.

Die soziale Familienstruktur ist für die industrielle Fremdarbeit von der Arbeitsteilung her betrachtet ohne Belang, also kann Inzest und Inzucht vorübergehend rein genetisch verstanden und angewendet werden, damit die genetischen und damit auch die sozialen Strukturen der Gesellschaft eine Möglichkeit zur Konsolidierung erhalten. Andererseits darf die religiöse Bewältigung einer Blutschande, die es gar nicht gibt, auch nicht strafrechtlich erfasst werden.

Unabhängig der Zeugung von Nachkommen muss jeder Mensch trotzdem seine Sexualität leben und dies möglichst auf sich selbst im Einklang mit seinem Umfeld beschränken können. An sich liegt an diesem Punkt die seltsam stark umstrittene Lehre des katholischen Klerus richtig, wenn der Papst gegen jeden Sexualkontakt ohne Kinderzeugung einsteht. Es fehlt bloss die Aufforderung zur stillen Onanie.

Jede Vergeistigung der Sexualität führt unweigerlich zu Problemen. Während bi- und homosexuelle Vorstellungen in der Praxis zwischenmenschlicher Beziehung meist zu einem unnötigen Komplizieren der Lebensführung mit erhöhter Gefährdung von sich selbst führt, eskaliert die Umsetzung selbstbefriedigender sexueller Phantasie wie jeder über die Selbsterhaltung hinausgehende Egoismus schliesslich zur Zerstörung, oft verbunden mit scheusslichen kriminellen Handlungen gegen Mitmenschen.

Die sexuelle Selbstbefriedigung ist nur für den eigenen Körper wichtig, es genügt daher vollkommen, diese Gefühle auf sich selber zu beschränken und jede Auswirkung auf andere zu vermeiden. Durch die Funktion der Arterhaltung ist in der Sexualität auch teilweise das natürliche Ausleseverfah­ren enthalten, wer sich fortpflanzt und wer nicht. Vermutlich sind Mutter oder Vater Eigenschaften, welche je nach Umständen zum Tragen kommen oder nicht.

Aus dem Geschlecht lässt sich jedenfalls nichts ableiten und begründen, was über die ursprünglich von der Biologie beabsichtigte Fortpflanzung und Aufzucht hinausgeht oder damit nicht übereinstimmt. So ist eine sexuelle Veranlagung, die für sich selbst beansprucht wird, bereits eine egoistische Vergeistigung der Selbstbefriedigung.

Es sind mit Bezug auf die Sexualität keine Triebe, die den Menschen leiten, sondern genetisch festgelegte Eigenschaften, deren Auswirkungen der Mensch selber steuern kann und muss im sich seiner Freiheit bewusst zu sein [nicht gleich der ideologischen Behauptung vom Sein mit der Metapher Bewusstsein]. Da der sexuelle Orgasmus für die meisten Menschen nach wie vor der einzige erlebbare Zugang zur mehrdimensionalen Realität darstellt, ist es normal, dass die Menschen dieses Gefühl auf die ihnen bekannte Art und Weise erleben müssen unabhängig der Folgeschäden, die beispielsweise in der freien Marktwirtschaft des käuflichen Sex dadurch entstehen.

Auffällig ist, wie dieses Verhalten ausgesprochen altersbedingt ist. Nach der Pubertät hat der geschlechtsreife junge Mann in der Regel einen völlig neutralen Umgang mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen und praktiziert, wenn überhaupt, meist den natürlichen Koitus wie eine Pflicht. Erst mit zunehmendem Alter entwickelt sich der ausgeprägt scharfe Blick für den knackigen Hintern oder einen volumigen Busen bei gleichzeitiger Veränderung der von der Kinderzeugung losgelösten Sexualpraktiken, was sich später bis zu gesellschaftlich geächteten Formen steigern kann.

Auf den ersten Blick ist hier die typisch menschliche Verschiebung der Generationen, welche auf das Sein bezogen zur moralischen Rechtfertigung führte, nun als sexuelle Perversion der gleichen alten Männer feststellbar. Es gibt Hinweise darauf, dass die direkte Übernahme dieser destruktiven Sexualvorstellungen durch junge Männer zu den katastrophalen Ergebnissen von Kindsmissbrauch, Sadismus, Masochismus, Vergewaltigung und vielem anderen mehr führt, wie sie aus den verschiedenen sich ergänzenden und verstärkenden Randgruppenszenen bekannt ist.

Auf gar keinen Fall darf daher einfach die bequemste persönliche Variante erfahrener Höhepunkte als die Liebe im geschlechtsneutralen Sinn bezeichnet werden, weil das genetische Programm keine personifizierte Ausnahmeregelung zulässt und ein Fehlverhalten darum meist tragische Entwicklungen zur Folge hat. So ist etwa nichts gegen den ausnahmsweisen Reiz eines analen Koitus einzuwenden; hingegen wird sich die Natur für den regelmässigen Missbrauch des nicht für die Fortpflanzung geschaffenen Schliessmuskels rächen, indem er irgendwann seine ursprüngliche Funktion nicht mehr vollumfänglich erfüllen kann, wenn die erforderliche Erholungsphasen nicht eingehalten werden.

Dieser Zusammenhang gilt für alle vergeistigte Sexualität und muss von Anfang an berücksichtigt werden. Glück hat für den Menschen sehr viel mit verantwortungsbewusst gelebter Sexualität zu tun. Wir haben auch die Pflicht, nein zu sagen, wenn wir einmal nicht ganz sicher sind, das Richtige zu tun. Das gilt besonders hier, denn der Intimbereich von uns wie auch von Mitmenschen erfordert unsere ganze rücksichtsvolle Sorgfalt, wenn es darum geht, ob wir eine sexuelle Aktivität ausüben oder dulden wollen und beginnt schon mit der Umgangssprache.

Das Zusammenspiel von Sexualität und Liebe im Sinne einer gerechten Gemeinsamkeit bedarf keiner Auslegung, weil dies von selbst funktioniert, wenn die Begriffe nicht religiös besetzt, sondern möglichst umfassend im jeweiligen Denkvermögen verankert sind. Es ist darum auch nicht einfach, einen Menschen an wertneutrale Begriffe heranführen zu wollen, wenn er sie nicht verstehen kann oder anders versteht, als wie sie ursprünglich gedacht wurden.

Besonders eindrücklich kann dies am regelmässig aufflammenden irrationalen Kampf um die Rollenverteilung der Geschlechter beobachtet werden. Wie das Inzesttabu ist auch die Dominanz des Mannes sowohl biologisch als auch sozial bestimmt. In allen Kulturen sind die gesunden Fünfundzwanzigjährigen auf ihrem biologischen Höchstand kräftiger und schneller wie die gleichaltrigen Frauen. Dagegen sind die Unterschiede betreffend verbessertes räumliches Sehvermögen des Mannes und die ausgeprägte Fähigkeit der Frau zur verbalen Kommunikation kulturell erworbene Eigenschaften.

Wichtig scheint mir vor allem auch das Verständnis dafür, dass die von der biologischen Ebene geschaffene unterschiedliche Genetik in Mann und Frau durch die gedankliche Ebene weder aufgehoben noch übergangen werden kann, im Gegenteil. Die sogenannte XY- beziehungsweise X-Genetik von Mann und Frau wirkt auch in der gedanklichen Ebene, weil bei Männern anders wie bei Frauen die beiden Gehirnhälften ausgesprochen intensiv miteinander kommunizieren.

Selbstgespräch und innerer Widerspruch sind daher vielleicht nicht ganz zufällig häufig maskuline Eigenheiten. Der Begriff "ganzheitlich" hat für die Frau eine ganz andere Bedeutung wie für den Mann, wodurch die psychologisch begründete lineare Gleichstellung der Geschlechter ein offensichtlicher Unsinn wird. Ohne gentechnologische Eingriffe bleiben Mann und Frau zwei völlig verschiedene Formen menschlicher Existenz mit jeweils grundsätzlich komplementären Pflichten und Ansprüchen dem anderen Geschlecht gegenüber, wie sie als Sexualität in der ursprünglichsten Anlage sichtbar werden.

Jeder lebende Mensch könnte zwar wissen, dass er seinen Körper der Befruchtung einer weiblichen Eizelle durch einen männlichen Samen verdankt, was meist durch eine genitale Aktivität zwischen Mann und Frau erfolgt, die aber ohne weiteres durch Technik ersetzt werden kann. Nicht ersetzt werden können die biologischen Ei- oder Samenträger.

Folglich verstehen sich die Geschlechter gegenseitig am besten, wenn sie sich selber so annehmen können, wie sie geschaffen sind, als Mann oder als Frau. Die Natur kennt wohl Zwitter und Geschlechtslose, aber nicht als gesunde Menschen. Die Menschheit als Gattung und dadurch auch jeder einzelne Mensch untersteht der Evolution durch Selektion aus der Vielfalt, die durch Reproduktion sichergestellt wird.

Die einzelnen Menschen sind also nur in dem Sinn gleich, als sie allesamt diesem Prozess gleichermassen zur Auswahl stehen müssen. Auf die Selektion bezogen sind diese Gleichen unter Gleichen aber trotzdem Konkurrenten, die sich nichts zu schenken brauchen, sondern, frei nach Nietzsche, durch all das stärker werden müssen, was sie nicht umbringt.