Die zeitgenössische Erklärung der WeltErst durch das Quanten-Bit wird aus dem Atom menschliche Erkenntnis. Was sind Gedanken? Die empirisch verifizierte Unschärfe-Relation, also dass nur entweder die Position oder dann die Geschwindigkeit im vier-dimensionalen Raumzeit-Kontinuum, also sich gegenseitig bedingend Raum und Zeit, exakt erfassbar sind, darf nicht ausgeklammert, verneint oder verleugnet werden im virtuell gedanklichen, also dem ideellen, philosophischen oder religiösen. Mit Bezug auf eine festgestellte Ausdehnung vom [Welt-]Raum wird dadurch der Anfang mit Urknall oder dergleichen nicht zwingend, vielmehr kann auch die Expansion selber eine Singularität abbilden.
Indem der Mensch versucht, eine für ihn befremdliche Wahrnehmung zu verstehen, macht er sich ein Weltbild zu eigen. Seit aus der früheren Vorstellung der Welt als flacher Erdscheibe mit Himmelszelt ein Planet geworden ist, der um einen Stern kreist, ist keine Neuordnung grundsätzlicher Natur mehr vorgenommen worden, was zur Folge hat, dass die verschiedenen in sich korrekten Teilaspekte des zurzeit bekannten Wissens je länger je mehr kein ebenfalls richtiges Gesamtbild ermöglichen. Der einzelne Mensch verliert dadurch den Kontakt zur Realität, ohne es zu bemerken, weil er für die Entwicklung des Realitätsinnes als Methodik der Wahrnehmung auf die Weitergabe wenigstens eines Weltbildrahmens durch die vorbestehenden Generationen angewiesen ist, da es aus verschiedenen Gründen fast unmöglich erscheint, alle Menschen könnten den dazu nötigen Aufwand selber betreiben. Es gehört allerdings auch zu den tristen Einsichten ins Wesen der Zeitgenossen, dass scheinbar für die überwiegende Mehrheit aller Menschen mit der obligatorischen Schulzeit auch die bewusste Weiter-Bildung beendet ist. Bereits die Bewegungsgesetze nach Isaac Newton um 1700 machten der Vorstellung von der absoluten Position im Raum ein Ende; die Relativitätstheorie nach Albert Einstein um das Jahr 1900 jener von der absoluten Zeit. Trotzdem haben in der vermeintlichen Beständigkeit des individuellen Lebens Zeit und Raum in der Vorstellung noch immer scheinbar ewigen Bestand, obschon es beide für sich allein genommen gar nicht mehr gibt [Zeitbegriff]. Warum also dringen die fundamentalsten Erkenntnisse über unsere Welt nicht als erweitertes Vorstellungsvermögen in das sich von etwas bewusst sein [nicht gleich der ideologischen Behauptung vom Sein mit der Metapher Bewusstsein] der Menschen? Es scheint fast so, als ob irgend etwas die Menschen daran hindern würde, an die Wahrheit [Naturgewalt von Himmel und Erde] der unbekannten Realität zu glauben und statt dessen eine verzerrte Wahrnehmung der bekannten Wirklichkeit langsam, aber sicher, an die Stelle eines zeitgenössischen Weltbildes rückt. Damit man die Entstehung der gedanklichen Ebene, welche ein modernes Weltbild überhaupt erst ermöglicht, verstehen kann, ist es unabdingbar, einen kurzen Ausflug in die Geschichte zu machen, was aber eine ausführlichere Beschäftigung mit diesem faszinierenden Thema nicht ersetzen kann. Auffällig und kaum zufällig ist, dass verstärkte denkwissenschaftliche Phänomene nahezu zeitgleich mit Zentrum vor ungefähr 2500 Jahren überall auf der Erde zu beobachten sind. Es ist, als hätten damals alle Erdenbürger innert weniger Generationen und unabhängig voneinander plötzlich Bedarf nach gedanklicher Erleuchtung verspürt, so wie wenn nach Jahrmillionen der Entwicklung der menschlichen Bewusstwerdung bei allen Menschen unabhängig des jeweiligen unterschiedlichen Lebensraumes und Vorstellungsvermögen eine Art Zündung des Denkens stattgefunden hätte. Die noch heute berühmten Namen wie Konfutse, Zarathustra, Pythagoras, Laotse, Siddharta, Platon, Aristoteles und viele andere Denkenden jener Zeit haben eines gemeinsam: Sie lebten alle im 6. bis 4. Jh.v.Chr. und sind als grosse Entdecker in die Geschichte eingegangen. Unabhängig der unterschiedlichen gedanklichen Inhalte kann man sich vielmehr vor Augen halten, was da eigentlich passierte, als damals Menschen begannen, sich die Welt erklären zu wollen und beispielsweise im klassischen Griechenland neben der schon erwähnten Weiterentwicklung von Arithmetik, Mathematik und Geometrie auch das Unvorstellbare rational begründeten. Jenes wissen zu wollen, was man noch nicht weiss, wurde zur Vorbedingung der Philosophie. Ein rationales Denken als Vorstellung löste sich von der gefühlsbetonten Meinung aus einer Ahnung ab und bewirkte eine intellektuelle Revolution: Das Wissen, dass es eine Welt gibt, führt ebenfalls nahezu zeitgleich zur Entstehung von diversen, vorerst regionalen Religionen. Man betreibt noch heute in gläubigen Kreisen allzu leichtfertig Grundlagenirrtum, indem man verschweigt oder gar verneint, dass beispielsweise die theistische Trennung zwischen Schöpfung und Schöpfer erst dann erfolgen konnte, nachdem die Materie der Welt erklärt ist. Die Weltreligionen basieren ausnahmslos auf einem Weltbild als sich dessen bewusst zu sein, dass es eine Welt gibt und sind daher aus heutiger Sicht als Übergang zwischen Gefühl und Glauben zu bezeichnen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass ein Mensch, der nicht weiss, dass es eine Welt gibt, auch keinen Schöpfer dieser fiktiven, noch nicht existenten Welt erfinden kann und trotzdem sowohl dieser Mensch wie auch die Umwelt vollumfänglich existent wären. Man würde den Religionen allerdings nicht gerecht, wenn sie aus heutiger Sicht einfach als im Nachhinein überflüssige Erfindungen bezeichnet würden. Ich werde später im Zusammenhang mit dem religiösen Impuls aufzeigen warum. Bis zur Neuzeit galt nahezu unangefochten das geozentrische Weltbild des Ptolemäus mit einer von Gott erschaffenen Erde als Mittelpunkt der Welt. Dann kam das 16. Jh., die erste Erdumsegelung gelingt; Kopernikus veröffentlicht die Theorie des heliozentrischen Sonnensystems, die besagt, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht wie bisher angenommen die Sonne um die Erde kreist; Galilei entdeckt physikalische Gesetze, das Fernrohr und das Mikroskop werden erfunden. Die Frage nach der Natur der Schöpfung musste neu gestellt werden. Doch die intellektuelle Revolution geht unerbittlich weiter. Mitte des 17. Jh. entdeckt Boyle die chemischen Elemente, was 1808 durch Dalton zur modernen Atomtheorie der Materie führt; Isaac Newton begründete die klassische Physik. 1860 erschüttert Darwin die Menschheit mit der Erkenntnis, dass auch der Mensch Teil der Natur ist und nicht als Ebenbild Gottes ausserhalb von ihr stehe. Und erst fast vorgestern, nämlich 1916, gelingt Einstein mit der Allgemeinen und der Speziellen Relativitätstheorie der Vorstoss ins atomare Innere und ein mathematisches vierdimensionales Raumzeitkontinuum. Wenn man bedenkt, dass die Generationen zwischen 1850 und 1950 neben diesen gedanklichen Revolutionen auch noch Nationalstaatenbildung, Industrialisierung, Klassenkämpfe und zwei Weltkriege zu bewältigen hatten, nebst den täglichen Lebensaufgaben wohlverstanden, die sich alle auch gewohnt sind, erstaunt der weltanschauliche Scherbenhaufen, den wir heute vorfinden, eigentlich nicht mehr. Diese enorme Überforderung mehrerer aufeinander folgender Jahrgänge hat mit Sicherheit einen Kulturriss verursacht, dessen Auswirkungen wir heute erst teilweise zu erahnen vermögen. Es ist also auch kein Zufall, wenn die Weitergabe des Weltbildes in unserem Kulturkreis mit dem zweiten Weltkrieg ihr Ende hatte. Die Generationen des ersten Krieges erzwangen noch eine Übernahme durch den Nachwuchs trotz Selbstzweifel, die Generationen des zweiten Weltkrieges wahrten nur noch den Anschein mangels Alternativen und überliessen ihre Kinder bereits weitgehend der Selbsterklärung, für die nachfolgenden Generationen war die Religion schon kein grundsätzliches Thema mehr, sondern relativ in dem Sinn, dass Handeln und Denken nicht mehr übereinstimmten. Wie durch das Relativieren von Religion und Weltanschauung die reale gedankliche Dimension selbst ihrer Wurzeln beraubt wurde, beginnt einzelnen Menschen in Europa heute erst langsam zu dämmern, indem je länger desto deutlicher Missverständnisse individueller Art sichtbar werden, die den gemeinsamen Nenner des europäischen Individualismus unbemerkt negieren, nämlich den der Eigenverantwortung für die Freiheit selbst. Als typisch europäisch gilt das Streben nach Ungebundenheit und Selbstverwirklichung verbunden mit einer grossen Fähigkeit, auch fremde Errungenschaften nach eigener Art zu verändern und weiter zu entwickeln, und zwar unmittelbar nach dem ersten Kontakt mit dem Neuen. Andererseits haben in Europa bereits die Fürsten der Hallstattzeit und nach ihnen ebenso die Kelten und Germanen keinerlei Anstrengungen unternommen, die auf einen grösseren Zusammenschluss in politischer Sicht hinweisen würden. Selbst die Hellenen, die als ein kulturelles Vorbild der frühen Europäer gelten, schlossen sich nur ein einziges Mal zusammen, als die persische Macht ihre Freiheit bedrohte und zerfielen nach der Gefahr wieder in die früheren Zwistigkeiten aus dem Streben nach Individualität. Die spätere Weltmacht Rom war dann bereits eine Herrschaft militärischer Macht und Gewalt von Wenigen über Viele, die eine im europäischen Charakter begründete Rivalität selbst gegen engst verwandte Stämme und Angehörige für kurze Zeit ausnutzen konnte. Durchgesetzt hat sich aber schliesslich das Gemeinwesen der freien Hofbauern mit dem Vater als oberster Autorität seiner Familie, wie es in dieser Art in keinem anderen Erdteil je entstanden ist. Nebst dieser Eigenart hatte der alteuropäische Ackerbauer und Viehzüchter seinen ererbten Anspruch auf eigene Jagdrechte von den Jägern, die vor ihm durch das Land streiften. Aus der ursprünglichen Arbeitsteilung hat sich hier ein feines Gespür für das gerechte Wirken des Individuums zur rechten Zeit am richtigen Ort herauskristallisiert. Allmend, Korporation, Föderation - gemeinsam sind wir stark, aber nur, wenn und solange dies unbedingt notwendig ist. Vorher und nachher ist der Konkurrenzkampf der Gleichen unter Gleichen. Das Prinzip der Subsidiarität, also der an sich grundlose Zusammenschluss zwecks ständiger imperialer Grösse, wie es zurzeit unter dem Sinnbild der Globalisierung von vereinzelten Sachzwängen in Europa durch wesentliche Parteien wieder vertreten wird, widerspricht dem Charakter sowohl der Völker wie auch der Bevölkerung als Personen. Den imperialen Traditionalismus haben damals die germanischen Königreiche nämlich als Erben und Nachfolger des Römischen Reiches übernommen, ohne dafür eigene Wurzeln zu entwickeln. Die Epoche, die von allen germanischen Völkern als heroisches Zeitalter gefeiert wurde, ist in der Rückschau nicht viel mehr als ein zielloser Aufruhr der Völkerwanderung. Konstruktiv war aber die Vermischung der Germanen mit der jeweiligen Bevölkerung, es entstanden neue Gesellschaftsformen. Durch die Westgoten in Spanien, Vandalen in Afrika, Ostgoten in Italien, Sachsen in England und Franken in Frankreich. Diese Mischvölker hatten trotz aller Unterschiede auch gemeinsame Merkmale der eigenen Entwicklung, z.B. einen germanischen König, verbunden mit Übernahmen aus der Erbschaft des römischen Reiches. Die Besonderheit besteht darin, dass der kulturelle Nachlass während dem Niedergang der weltlichen Macht Roms in die Hände einer erst im Entstehen begriffenen kirchlichen Führung des gleichen, dem Untergang geweihten Staates geriet. Aus der Symbiose von König- und Priestertum wurde ein pragmatischer Kampf um die politische Vorherrschaft über Menschen zwischen den sich selbst verwaltenden Bischofsitzen und den Königshäusern. Die Menschen selbst sind seither im Grunde genommen keine sich selber bestimmenden Menschen [Seelen] mehr, sondern nur noch Funktionsträger von Ideen. Auf diesem Hintergrund basiert bis heute auch kein Weltbild, was ich im folgenden wenigstens schemenhaft aufzuarbeiten versuche.
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