Die Seele als eigene MitteWas ist die Seele? Bedeutung und Herkunft. Seelsorge als Anam Cara. Der Begriff der Seele wird allgemein benutzt ohne weiter darauf einzugehen, was das eigentlich ist. Wenn man Menschen nach der Seele befragt, erhält man die verschiedensten Antworten. Vom Wort her wird Seele von griechisch Psyche übersetzt und schon haben wir den Salat, weil dieses Wort wiederum auch für Gedanke und für Geist verwendet wird.Immerhin hatte die auf Aristoteles zurückgehende nichtstoffliche Substanz der Psyche schon die gleichen drei Entfaltungsstufen, welche auch in der Hirnentwicklung belegt sind, nämlich pflanzlich vegetativ, tierisch sensitiv und menschlich geistig. [Allerdings, geistig wiederum ist nicht gleich gedanklich: Was ist Geist?] Gesichert ist die Überlieferung, dass die Kelten in Europa den Begriff der Seele im Sinne von Seelenwanderung verwendet haben, bevor durch die Römer die hellenistische Vorstellung von der Psyche eingeführt wurde. Soviel wusste Mensch also schon vor zweitausendfünfhundert Jahren. Aus heutiger Sicht waren die Begriffe von Gedanken und Seele in vorchristlicher Zeit auf dem richtigen Weg schon recht weit entwickelt, sie stehen jedenfalls auch jetzt in keinem grundsätzlichen Widerspruch zu den zwischenzeitlich bestätigten Erkenntnissen. Anders verhält es sich damit nach der Christianisierung Europas. Da das Standardwerk dieser Religion die Begriffe Gedanke und Seele eben nicht begreifbar werden lassen kann, kann angenommen werden, dass die bereits vorhandenen höher entwickelten Vorstellungen diesen Mangel aufhoben, weil die Kelten vermutlich ohnehin der Geschichte von Auferstehung das Hauptinteresse zuteil werden liessen. Was aus dieser Synthese geworden ist, sehe ich an meinem eigenen Beispiel. Auch ich bin im 20. Jahrhundert in Mitteleuropa als getauftes Mitglied im Christentum aufgewachsen und kann von der Entwicklung her gar nichts anderes sein als ein Christ. Dann aber stellt sich die Frage, was dieses Christentum in Europa, wie es folglich auch hier in meinem Denken zum Ausdruck kommen muss, mit dem Jargon einer Mördergrube zu tun haben soll, wie er in den Texten der nationalistischen Ideologien aus dem Nahen Osten überliefert ist. Wer nun den Inhalt der deutschen Übersetzung der Bibel mit einer Textverarbeitung nach Stichwörtern auf Querverbindungen hin betrachtet, stellt fest, dass da für unsere modernen Auffassungen von Gedanken und Seele rein gar nichts vorhanden ist. Entweder der Herr oder sonst verflucht und ausgerottet, fertig. Da steht nichts drinn, was die Kraft des europäischen Christentums bis auf den heutigen Tag erklären könnte. Hingegen mag allein schon die Tatsache, dass sich die Dreieinigkeit der Mitte aus dem keltischen Druidentum wie ein roter Faden durch die Geschichte hindurch verfolgen lässt, erkennen lassen, welchen Denkens viele Europäer sind. Darum sei der Hinweis auf dieses Paradox gestattet: Millionen von Christen in Europa denken und glauben von und an Geist und Seele losgelöst vom Leib, Wiederauferstehung der eigenen Seele in etwelcher Form, Todlosigkeit durch Seelenwanderung. Von der christlichen Lehre her gesehen sind diese Christen aber gar keine Christen und würden, wenn die Kirche noch so könnte wie früher, allesamt verflucht und ausgerottet wie beispielsweise im 6. Jh. die Ketzer der manichäischen Gnosis. Gerade weil das so ist, sollte nie vergessen werden, dass es auf der prinzipiellen Ebene einer Ideologie nur noch ein Ganzes gibt, wo man dazugehört oder eben nicht. Das letzte derartige Prinzip erlebte Europa erst kürzlich, als Adolf Hitler die in Europa lebenden Angehörigen einer sich selber als auserwählt bezeichnenden Nation zum Prinzip erhob, als es darum ging, den Begriff der Nation auf die Rasse umzudeuten, was dem Nationalsozialismus im Rückblick auch gelungen ist. Jedenfalls bezeichnen sich jetzt heute die meisten Europäer auch als solche. Die Völkerschaft Europas hat damit die Möglichkeit erhalten, wieder Anschluss an die Vorstellungen der keltischen Denkweise von der unvergänglichen Seele und deren Wiedergeburt zu finden. Unter dem Gesichtspunkt einer auch physikalischen gedanklichen Ebene ist dies nämlich denkbarer denn je.
Wenn man den Vorgang des Denkens als eine Teilnahme an etwas begreift, das es gibt, ist es offensichtlich, dass auch das Gedankengut als gesamtes sich bewusst sein [nicht gleich der ideologischen Behauptung vom Sein mit der Metapher Bewusstsein] eines Menschen einzigartig und unsterblich ist.
Das ist folglich der Bezugspunkt des Menschen in einer real gegenwärtig gedanklichen Dimension, der zu Lebzeiten als gedachter Gedanke wahrgenommen wird. Die Seele sei nicht etwas Seiendes, also kein Mythos, sondern etwas Werdendes im Sinn von zeitloser Gegenwart [Ewigkeit]. Man kann sich das ungefähr wie folgt vorstellen unter dem Vorbehalt, dass wir heute noch fast überhaupt nichts darüber wissen, wie das tatsächlich abläuft, wir sehen erst, dass etwas in dieser Art und Weise vor sich gehen muss: Der Mensch wird sozusagen mit einem leeren Gehirn, aber mit einer vererbten Erfahrung in die Welt hineingeboren und hat während seiner Lebensdauer Zugriff auf das gesamte in Entwicklung begriffene Gedankengut, also auf die Summe aller Seelen, lebende wie vergangene, um daraus seine eigene einzigartige und unvergängliche Seele als Teil des Ganzen zu formen. Hier wäre die Schnittstelle für eine pflegende Begleitung, soweit dies überhaupt nötig ist. Im Gesamtzusammenhang kann sowieso nicht beeinflusst werden, welche Gedankengänge wieder voll am Denkprozess teilnehmen und welche weniger. Die Wiedergeburt erfolgt also nicht zwangsläufig, sondern je nach Zusammenhang, inwiefern die Zugriffe der lebenden Gedanken auf die Seelen möglich sind. Die Seelen im Sinne optimaler Entwicklung, das heisst auch unabhängig von Denkfähigkeit zu Lebzeiten, werden wiedergeboren, die andern verbleiben auf dem Zustand ihrer Entwicklung. Ein lebender Mensch kann zu jeder Seele, beziehungsweise zu deren momentanem Zustand, Kontakt aufnehmen und sie dadurch erlösen, das heisst in einen neuen Zusammenhang bringen, bloss ist das dann nicht ein direkter Vorfahre oder Bekannter des Betreffenden und schon gar nicht der Betreffende selbst, wie das in esoterischen Kreisen vermutet wird, sondern ein gedanklicher Zustand, in welchem sich kurzzeitig beide befinden. Nun habe ich ja vorgängig erwähnt, dass die Kontaktnahme zum Beispiel mittels Meditation oder Beten noch keine Veränderung in der gedanklichen Ebene bewirkt, wenn dabei nicht sowohl die seligen wie auch die lebendigen Gedankengänge im Zusammenhang übereinstimmen. Möglicherweise nimmt darum die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges durch die Beschwörung geringfügig zu: Wenn viele beten, hört Gott zu ... oder ähnlich. Die Erlösung in Form von Seelenwanderung, Befreiung und Auferstehung können vom seligen Gedanken aus gesehen erst stattfinden, wenn die Zusammenhänge stimmen, das heisst, wenn dadurch die Entwicklung weitergeführt werden kann. Das mag mithin ein Grund dafür sein, warum alle in schriftlicher Form fixierten Institutionen der Religionen und Ideologien zusammen in der Vergangenheit nicht annähernd einen Zugang zur real gegenwärtig gedanklichen Ebene gefunden haben und stets über kurz oder lang damit begonnen wurde, mittels religiös-politischer Systeme die Denkprozesse der Menschen zu kanalisieren und damit auch die Seelen zu behindern. Diese Entwicklung hat offensichtlich nicht nur in der uns verwandten östlichen Mystik stattgefunden, indem dort ein personifiziertes Karma entstanden ist und beispielsweise zu den diktatorisch religiös-politischen Kastensystemen führte oder umgekehrt. Die Seele ist Teil der gedanklichen Ebene und die Erbmasse ist Teil der biologischen Ebene, die Seele kann nicht weitervererbt werden. In Erinnerung, dass Menschen schon vor mehr als 3000 Jahren durch ihre unmittelbare ganzheitliche Sinneswahrnehmung eine Lehre von der unsterblichen Seele entwickelt und an die Wiederverkörperung derselben geglaubt haben und noch immer schätzungsweise drei von vier Menschen in Westeuropa rein gefühlsmässig zumindest eine Option in dieser Richtung offenhalten, erstaunt es nicht, wenn sich heute wieder ein Weltbild entwickelt, welches nicht nur fast alles erklären kann, sondern dessen Schlussfolgerung ein Denken ist, welches den Glauben in sich beinhaltet: Der Gedanke vom unsterblichen Gedanken und der durch den Tod befreiten Seele sowie deren Erlösung und Auferstehung erfüllt alle Anforderungen einer dreidimensionalen Entwicklung, wie sie beobachtet werden kann. Wer so denkt, ist im Einklang mit einer Welt, wie sie ist, wie sie war und wie sie sein wird. Das Heiligtum an sich ist und bleibt unbestritten etwas Naheliegendes und Persönliches: die Seele. Im Irrgarten der Götter westlicher wie östlicher Religionen und Ideologien wird aber keine einzige Seele zu finden sein, deren ehemaliges Wirken als lebendige Gedanken erst in Verbindung mit unserer Wirklichkeit zur Realität werden kann. Die Kontaktnahme über zum Beispiel heilig genannte Schriften ist zwecklos, wenn sie nicht gleichzeitig einen Bezugspunkt zur aktuellen Situation hat und zu einer Veränderung führen würde, was aber gerade durch diese Schriften verhindert wird. Jesu ist beispielsweise auferstanden, weil er sein Leben für eine Überzeugung gegeben hat und nicht weil er der Sohn Gottes gewesen sein soll. So einfach ist das noch heute. Erst durch die Moral zufälliger Geschichten von alten Männern, die immer noch leben, wenn andere längst gestorben sind, entstanden die Rechtfertigungsbemühungen, was man als Überzähliger eigentlich auf dieser Welt noch zu suchen hat. Gottgewollt heiligt alles, meint Mann dann in seiner Feigheit vor dem eigenen Tod und verkauft seine Seele an die scheinbar edelsten Prinzipien wie Humanität und Menschenrecht, auf die ich noch ausführlicher eingehen werde. Unabhängig davon, was unter Gedanken, Geist, Seele, Psyche, Befreiung, Erlösung und Auferstehung jeweils verstanden wird, ist unschwer festzustellen, dass heute vermutlich mehrheitlich keine Seelsorge mehr stattfindet durch die Person selber, sondern nur noch einerseits das berufsmässige Fischen nach Seelen durch ungezählte Heilsverkündigungen wie auch Zwangsmassnahmen und andererseits die Seelenverwaltung, welche jetzt einer der Bürgerpflicht untergeordneten Glaubens- und Gewissensfreiheit verpflichtet ist. Die Bürgerpflicht ihrerseits basiert jedoch auf einem der Glaubensfreiheit zustehenden Namen des Allmächtigen, so dass diese Gesellschaft in einer ausweglosen Ohnmacht der sich gegenseitig widersprechenden und negierenden Floskeln gefangen bleibt und, was noch schlimmer ist, auf keine Art und Weise dieses in sich geschlossene Paradox umdeuten oder verlassen könnte ohne gleichzeitig die Basis zu verändern, was aber dennoch einmal zwangsläufig passieren muss, weil seit dem erwähnten Kulturriss durch die beiden Weltkriege jetzt unaufhaltsam immer mehr Menschen selber zu Seelsorger/innen werden im Sinne eines selber denken von freien Gedanken im globalen Gedankengut der Information. Auch hier wieder ist die Möglichkeit phantastisch, wenn der freiwillige Übertritt des Druidentums zur christlichen Lehre nach den verlorenen Kriegen gegen die römischen Legionen unter einem bewussten Verzicht auf die Seelsorge vollzogen worden wäre in einer vielleicht schon damals vorhandenen Ahnung, dass die Seelsorge keiner Initiation bedarf, sondern aufgrund naturgesetzlicher Gegebenheiten von selbst funktioniert, auch wenn sie durch den Menschen verhindert wird. Weiterlesen ... Subkultur seit Jahrtausenden: die Seele. Wie dem auch sei, auf jeden Fall ist seltsam, dass damals mit einer heiligen Schrift ausgerechnet die allen Kelten bekannte Seele tabuisiert wurde und exakt dies jetzt auf dem Stand des vergleichenden Religionsverständnisses ein Mangel eben dieser Schrift darstellt, der unabänderlich festgeschrieben bestehen bleibt. Seelsorge bedeutet, der durch den Tod befreiten Seelen zu gedenken und Sorge zu tragen, damit sie von den lebendigen Gedanken erlöst und wieder auferstehen können in einem Zustand, den wir als Realität bezeichnen. Zu diesem Zweck braucht das in Entwicklung begriffene Denken des Menschen vor allem die Freiheit der unbehinderten Entfaltung.
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